Made in Holland – BLECH

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Made in Holland
Blech – Januar 2016, von Dieter Schnee.

Hochwertige Blechprodukte zeichnen sich durch glatte und verrundete Kanten aus. Die Stengel GmbH setzt zur Kantenbearbeitung Rotationsbürstmaschinen des holländischen Herstellers Timesavers International B.V. ein. Die Maschinen schleifen, entgraten und verrunden in einem Arbeitsgang.

Nasszellen für Kreuzfahrtschiffe gehören ebenso zum Produktprogramm der Stengel GmbH in Jagst wie Bleche für Büromöbel, den Ladenbau, Geschirr- und Kühlschrankverkleidungen, Sonder- und Serienteile, Zubehörsätze, Leisten und Sockelbleche. Dazu kommen Miniküchen aus Metall, die die Stengel Küchen GmbH beispielsweise für Studentenwohnheime oder Bau- und Wohncontainer fertigt. Saubere, gratfreie Kanten der Blechteile sind dabei unabdingbar. Die Oberflächen- und Kantenbearbeitung erfolgt auf Rotationsbürstmaschinen des niederländischen Herstellers Timesavers International B.V.

Stengel hat 1967 in Jagst mit der Produktion von metallenen Paternoster-Schränken zum Archivieren von Akten begonnen. Heute verfügt das Unternehmen über 56.000 m2 Produktions-, Lager- und Bürofläche und beschäftigt 430 Mitarbeiter. Man reagiert schnell und flexibel auf Kundenwünsche und versucht „das richtige Produkt zum richtigen Preis zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ anzubieten. Das Unternehmen setzt auf flexible Fertigungsmittel angefangen bei Stanz-Nibbelmaschinen über Laser- und Wasserstrahlschneidanlagen, Biegemaschinen und Pressen bis zu Schweißmaschinen. Dazu kommen Einrichtungen zur Oberflächenbearbeitung und zum Etikettieren bis zur Verpackung und Kommissionierung.

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Prokurist Walter Feil (links) und Abteilungsleiter „Entgrat- und Schweißtechnologie“
Martin Benninger an der Timesavers Typ 42-Series-1350-WRbW.

Blecherne Produktvielfalt 
Walter Feil, Prokurist des Mittelständlers: „Wir bieten von der Konstruktion bis zum fertigen Produkt die ganze Wertschöpfungskette und wir entwickeln in engem Kontakt mit unseren Kunden.“ Was er über die Menge der zu bearbeitenden Bleche sagt ist beeindruckend: „Jährlich verarbeiten wir über 14.000 Tonnen Blech – 7.000 Tonnen aus Stahl ,unbeschichtet oder verzinkt, 6.500 Tonnen aus Edelstahl und 600 Tonnen aus Aluminium. 3.500 Millimeter mal 1.500 Millimeter ist das größte Blechformat, die Dicken variieren zwischen 0,5 und 20 Millimeter, wobei der Löwenanteil 0,5 bis 3 Millimeter beträgt.“ An fast allen Bauteilen werden die Kanten entgratet und verrundet. „Anfänglich haben wir hochstehende Grate ausschließlich abgeschliffen,“ sagt Feil. So habe man beispielsweise an Schubladenblenden für Bürocontainer seinerzeit den geforderten Radius von einem Millimeter am Eingriff stets gefräst. „Irgendwann haben wir einige dieser Blenden durch unsere erste Bürstmaschine laufen lassen und so die Kanten verrundet. Mit dem Ergebnis war unser Kunde hoch zufrieden. Wir konnten so eine Kosteneinsparung von etwa drei Euro pro Blende erzielen.“

Entgraten Timesavers
Die Grate an komplexen Bauteilgeometrien werden
zuverlässig entgratet und verrundet.

Drei Funktionen – eine Maschine
Heute haben sich die Anforderungen gewandelt, wenn beispielsweise die Kanten lasergeschnittener Teile verrundet werden. „Unsere Blechformate wurden immer größer, auch die Anzahl der zu entfernenden Grate an den Bauteilen nahm zu“, berichtet Feil vom Wandel in der Produktion. „Da riet uns Jürgen Tritschler zu Rotationsbürstmaschinen von Timesavers aus Holland. Mit diesen Maschinen können wir bei Bedarf vorschleifen und so den wesentlichen Grat entfernen, wir können die Kanten verrunden und – wenn es notwendig ist – auch achschleifen (finishen). All dies geschieht auf einer Maschine in einem Arbeitsgang, ohne weiteren Zeitaufwand. Herkömmliche Maschinen können diesen Vorteil nur schwerlich bieten.“ Jürgen Tritschler, besser gesagt Trischler Maschinen, ist ein Maschinenhändler in Küssaberg, der einen der deutschlandweiten Stützpunkte von Timesavers betreibt, an dem Rotationsbürstmaschinen getestet werden können.

Timesavers entgraten und finishen
Jürgen Tritschler (links) demonstriert Walter Feil den Wechsel der
Bürsteinheiten.

Schonende Blechbehandlung
Dass die Maschinen das Blech effektiv und schonend behandeln, zeigt sich daran, ass auch verzinkte oder mit Schutzfolie überzogene Oberflächen nicht zerstört werden. Selbst Beschriftungen bleiben nahezu unangetastet. Das sei ein herausragendes Merkmal der Timesavers-Maschinen, bemerkt Tritschler. Ein weiteres seien die hohen Standzeiten der Bürsten von mehr als 3.000 Stunden. Dazu bestätigt Feil: „Eine unserer Maschinen läuft seit sechs Wochen im Zwei-Schicht-Betrieb und die Bürsten sind noch immer intakt.“ Bei einem Satz Bürsten, bestehend aus acht Stück, liegen die Werkzeugkosten pro Stunde zwischen einem und zwei Euro. Stengel setzt unter anderem Maschinen der Baureihe 42 von Timesavers ein. „Bei diesen Maschinen“, sagt Ronald Raats, Verkaufsleiter für den deutschen Sprachraum bei Timesavers, „ist die Kontaktzeit zwischen Bürsten und Bauteilen durch die Rotation einzigartig lang – und das bei einem kurzen Arbeitszyklus fürs Vorschleifen, Entgraten,Verrunden und Nachschleifen.“ Grund dafür ist das von Timesavers entwickelte Multirotationsbürstverfahren, bei dem eine um ihre Achse drehende Bürsteinheit  acht links- und rechtsdrehende sowie gleichzeitig rotierende Schleiflamellenbürsten trägt. Damit werden alle Kanten eines Werkstücks aus allen Richtungen bearbeitet, und zwar unabhängig davon, wie grob oder fein die Kanten sind. Selbst geprägte oder profilierte und bereits mit Kantungen versehene Teile lassen sich entgraten und an den Kanten verrunden, wenn die Kantungen nicht höher als 20 mm sind. Die Nacharbeit entfällt

Timesavers schleiffband entgraten.
Ronald Raats erläutert den einfachen Austausch der
Schleifeinheit.

Modularer Aufbau ermöglicht einfaches Nachrüstung
Die Maschine vom Typ 42-Series-1350-WRbW bietet eine Arbeitsbreite von 1.350 mm sowie eine automatische Blechdickeneinstellung zwischen 0 und 100 mm. Frequenzgeregelte Hauptmotoren erlauben eine stufenlose Geschwindigkeits-einstellung und auch die Vorschubgeschwindigkeit ist von 0,5 bis 8 m/min stufenlos regelbar. Die Multirotationsbürstmaschine ist modular aufgebaut und kann mit zusätzlicher Vorschleifstation mit Endlos-Schleifband und/oder einer Nachschleifstation ausgestattet oder nachgerüstet werden. „Man kann noch so gratarm stanzen oder scheren“, sagt Raats, „aber ganz ohne Grat geht es nicht. Ergo: Es gibt keine Alternative zum Kantenverrunden.“ In Kürze liefert Timesavers die dritte Maschine an die Stengel GmbH. Für jeden Werkstofftyp steht dann eine eigene Schleifmaschine bereit – zwischenzeitliches Ümrüsten ist zukünftig Vergangenheit.